"Wir sind im Kindergarten, damit die Eltern auch mal Ruhe vor uns haben"

(Amelie, 5 Jahre)

Reggio inspiriertes Lernen

Ausgehend von der humanistisch demokratisch menschlichen Bewegung sind die wichtigsten Glaubenssätze der Reggianer ganz klar, Menschen groß zu ziehen, die Meinungsfreiheit, Rechte für sich und für die Gemeinschaft, sowie die Gewaltfreiheit, leben.

Daraus entwickeln sich Leitlinien für das pädagogische Handeln. Die Erwachsenen bringen ein anderes Lernverständnis mit und sehen sich nicht als Lehrende. Kinder werden als Menschen gesehen, die sich aktiv mit ihrer Umwelt auseinander setzen. Ziel der Erwachsenen ist jedes Kind so anzunehmen wie es ist und in seinem individuellen Entwicklungsweg zu begleiten. Das Lernen gelingt in der Auseinandersetzung mit lebensechten Materialien und " Zeugs" in atmosphärisch gestalteten Räumen. Um an seinen Themen zu wachsen, braucht das Kind gute Beziehungen zu Erwachsenen und vor Allem zu Kindern. Der Erwachsene hält sich zurück und hört aktiv den Aussagen des Kindes zu. Er kann durch Beobachtung und das Nachfragen die Themen der Kinder erkennen. An diesen Entwicklungsthemen der Kinder wird zusammen gearbeitet und nicht in starren Lehrplänen. Durch die teilnehmende Beobachtung und das genaue Zuhören kann man diese Themen in Dokumentationen für das Kind selbst, für die Eltern und die ganze Kita festhalten. Die umfangreichen Dokumentationen machen das Lernen sichtbar und dienen der Erinnerung der Lernprozesse.

Das " Herzstück" der Reggio Pädagogik ist die Projektarbeit. Durch die Projekte, die sich aus Spielhandlungen, Gesprächen und Beobachtungen der Kinder ergeben, werden in den Kindern Lernprozesse angeregt, anknüpfend an ihre eigenen Erfahrungen und realem Handeln.

Die Kindererziehung wird als Gemeinschaftsaufgabe gesehen. Beteiligt daran sind Kinder, Eltern, ErzieherInnen, andere Professionen, FachberaterInnen, Hauswirtschaftskräfte und BügerInnen. Durch gelungene Kooperationen und Kommunikationsprozesse werden gemeinschaftliche Strukturen aufgebaut. Die Kindertagesstätten und Krippen öffnen sich nach außen. Die Umgebung wird als Lernfeld miteinbezogen. Dadurch wird das gesellschaftliche Interesse geweckt und die gemeinsame Verantwortung gestärkt.

" Zum Erziehen eines Kindes braucht man ein ganzes Dorf" ( afrikanisches Sprichwort)

Bis heute ist die Region um Reggio Emilia eine sozialistisch geführte Kommune und die Krippen und Kindergärten sind nicht hierarchisch aufgebaut. Die Grundlage dieser Pädagogik entwickelt sich nicht aus Schriften und Theorien der Elementarpädagogik, sondern sind aus der Praxis entstanden. Sie entwickelt sich vor dem Hintergrund politischer, kultureller und sozialer Gegebenheiten. Die Reggio Pädagogik ist kein pädagogischer Entwurf sondern eine Philosophie.

Inzwischen findet diese Pädagogik national und international eine hohe Anerkennung