"Wir sind im Kindergarten, damit die Eltern auch mal Ruhe vor uns haben"

(Amelie, 5 Jahre)

Das offene Konzept entstand in einem gesellschaftlichen Klima des Aufbruchs in den 70er Jahren.  Grund war der Widerstand gegen autoritär geprägte Strukturen der 50er und 60er Jahre. " Mehr Demokratie wagen" eine Grundüberzeugung von Willi Brandt, sollte auch für Bildungsinstitutionen gelten. Gewohnte Erziehungsvorstellungen wurden hinterfragt, überlieferte Vorstellungen von Anpassung aufgebrochen und die Erwachsenenmachtposition Kindern gegenüber in Frage gestellt.

Die offenen Arbeit beginnt damit, das die daran Beteiligten, offen für alle Kinder sind und niemanden ausgrenzen. Kinder mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Besonderheiten rücken in den Vordergrund. in einer entspannten Atmosphäre können Kinder ihre individuellen Bildungsprozesse selbstständig entwickeln.

Die Kindheit wird als eigenständiger Lebensabschnitt gesehen, in der Kinder so sein können, wie sie sind. Die Kinder bestimmen hier ihr eigenes Entwicklungstempo und Lernsituationen, die ihren gegenwärtigen Interessen und Entwicklungsstände entsprechen.

" Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag"  und " Das Recht des Kindes so zu sein wie es ist"  nach Janusz Korczak bilden hierfür die Grundlage. Das Spiel spielt hier für das Lernen eine entscheidende Rolle. Hierfür brauchen Kinder andere Kinder und Erwachsene, die sie gut beobachten und ihnen differenziert gestaltete Räume und Materialien bieten. Vermehrte Angebote zur Bewegung unterstützen die Entwicklungsprozesse. Bei der Auswahl der Materialien wendet man sich ab von fertigen Spielmaterialen und didaktischen Materialien. Außerdem brauchen sie achtsame Erwachsene als verlässliche Begleiter mit hohen Beziehungskompetenzen.

Da die Kinder nicht ohne ihr soziales Umfeld aufwachsen, gehört dieses in die ständige Auseinandersetzung mit dem einzelnen Kind unabdingbar dazu. Die Erwachsenen müssen in ständiger Kooperation und Auseinandersetzung den pädagogischen Rahmen gestalten und immer wieder überdenken.

Der pädagogische  Alltag wird geprägt von Mitverantwortung und Mitwirkung der Kinder, vor Allem bei der Gestaltung ihres Lebensalltages und des Zusammenlebens.

" Die einzige Konstante der Offenen Arbeit ist die Veränderung" ( Beate von Lienen aus Tungeln, entnommen aus " Was sie schon immer über Offene Arbeit wissen wollten", Gerlinde Lill)

Um das Konzept der Offenen Arbeit zu leben bedarf es einer gemeinsamen Verantwortung des Teams. Auch dieses Konzept basiert nicht auf handlungsleitenden Theorien und ist keine Handlungsanweisung sondern eine Haltung!